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Lugaddon Rassehund
28.04.2017, 09:55

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Hilfe, ist mein Hund Rassist?

Von Lugaddon

Die Arun-Artikel von Lucas Corso haben im Rabenclan-Forum eine Menge Staub aufgewirbelt. Das hat mich in den letzten Tagen erneut über die abstrusen Wurzelrassen-Theoreme esoterischer Nazis nachdenken lassen. Und dann fiel mir einmal mehr auf, daß mit meinem Hund etwas nicht stimmt.

Einigen von Euch dürfte Sally spätestens seit Beltaine bekannt sein. Den Anderen sei kurz gesagt: ich teile mein Haus nicht nur mit einer menschlichen Frau, sondern auch mit einer schnuckeligen, fast fünfjährigen Golden-Retriever-Hündin. Zur Zeit denke ich zwar verstärkt darüber nach, den Hund bis auf die Haut zu rasieren, weil ich jeden Tag mindestens neun Mal saugen könnte. Aus purem, unverdienten Mitgefühl gegenüber der armen Kreatur verzichte ich jedoch darauf und werde die Flocken aus Hundehaar, die wie trockene Dornbüsche durch Western-Kulissen über meine Tastatur wehen, so gut es geht ignorieren.

Vor wenigen Tagen kam ein Mann an mein Holzhäuschen, um den neuen Ikea-Katalog in den Briefkasten zu packen. Sally lag, wie immer bei schönem Wetter, draußen im Vorgarten. Seit wir letztes Jahr von der Stadt aufs Land gezogen sind, hat sie sich ein paar Hofhund-Allüren angeeignet - was normalerweise nur bedeutet, daß sie ein bißchen angeberisch rumkläfft, wenn jemand aufs Grundstück kommt. Dieses Mal wurde sie aber richtig laut und bedrohlich. Mir war die Sache unangenehm - und sie wäre mir noch unangenehmer gewesen, wenn der Mann gewußt hätte, was ich wußte: Mein Hund stellt sich immer so an, wenn sie einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe sieht.

Der Austräger blieb in respektvoller Entfernung und wedelte hilflos mit dem Ikea-Katalog, während ich das tat, was alle Hundebesitzer in diesem Fall tun: sinnlos beschwichtigen. "Die ist ganz harmlos, haha! Sprechen Sie Deutsch? English? She is just a huge pet, haha!" Er schaute mißtrauisch herüber, faßte den Katalog mit spitzen Fingern, um so viel Abstand wie nötig zu wahren und reichte mir über meinen Hund den Katalog zu. Er hatte offensichtlich einen Mordsrespekt, was in gewisser Weise komisch ist, wenn man unseren 1A-werbetauglichen Familien-Wohlfühlhund mit Sonnenlicht im Fell und dem "treuen" Blick kennt, der in Pullover-Prospekten und Hundefutter-Werbespots rücksichtslos eingesetzt wird, um Menschenherzen zu erweichen.

Die Reaktion des Mannes mußte etwas mit schlechten Erfahrungen zu tun haben; kein Wunder, dem Akzent nach stammte er aus Südafrika und da gibt es Gegenden, wo Rhodesian Ridgebacks (eigentlich zur Löwenjagd gezüchtet) auf Farmen darauf abgerichtet werden, Menschen mit schwarzer Hautfarbe sofort und ohne Vorwarnung anzugreifen. Ganz ähnlich reagieren übrigens auch Türken, die aus ländlichen Gegenden stammen, wo Hunde ebenfalls vor allem zum Schutz von Hof und Gut gehalten werden. Na ja, denke ich mir dann immer, so ein bißchen arrogant amüsiert, man kann doch rein optisch auch ein Monchichi von King Kong unterscheiden, oder?

Attach:LugaddonRassehund_sally.jpg Δ Schon in den letzten Jahren hat mein Hund immer einen übertrieben großen Bogen gemacht, wenn uns eine schwarze Nachbarin mit ihren beiden bezopften, etwa fünfjährigen Zwillingstöchtern auf dem Bürgersteig entgegenkam. Mann, war mir das peinlich. Schon damals habe ich mich gefragt, wo das wohl herkommt. Hat es damit zu tun, daß mein Hund blond ist? Hatte sie eine schwierige Kindheit? (Schließlich habe ich sie bekommen, als sie schon anderthalb Jahre alt war.) Sie kam aus einer holländischen Zucht - hat man sie dort ideologisch fragwürdig indoktriniert? (Anmerkung: Ich stamme selbst vom linken Niederrhein, wo eine herzhaft-erdige Haßliebe zu Holländern als Brauchtum ohne weitere Bedeutung gepflegt wird).

Mittlerweile habe ich dazu ein paar plausiblere Vermutungen angestellt. Mein Verhältnis zum Thema "Rassismus" (mit oder ohne Hunde) hat sich dadurch nicht grundlegend gewandelt, aber einige interessante Präzisierungen erfahren:

1. Hautfarbe ist ein Fakt. Sie ist ein sichtbares äußeres Unterscheidungskriterium, dies natürlich nur im entsprechenden Kontext. Ein "weißer" Mensch fällt unter "schwarzen" genau so auf wie umgekehrt. Gleiches gilt für alle anderen äußeren Merkmale, die sich von der regional gegebenen Norm abheben (Hautfarbe, Augenform, Haarwuchs etc.). Eigentlich ist das ein trivialer Gedanke, aber es lohnt sich, ihn zu äußern, weil echte Rassisten oft so tun, als wollten ihre Kritiker diesen Sachverhalt bestreiten. Die Rassisten-Standardreaktion lautet in etwa: "Wieso wollt Ihr die rassischen Eigenarten wegdiskutieren? Schaut doch hin - diese Unterschiede sind einfach da!".

2. Unter Rassistenkritikern gibt es leider auch solche, die aus falsch verstandener politischer Korrektheit selbst harmlose Anmerkungen über die Hautfarbe reflexhaft als rassistische Äußerung brandmarken. Damit schaden sie ihrer eigenen Sache aber mehr, als sie ihr nützen: Sie machen sich und ihre Position nämlich allzu leicht angreifbar. Außerdem wird die Rassismus-Kritik wie ein Schwert, mit dem man allzu oft auf das falsche Material eindrischt, auf diese Weise stumpf und schartig.

3. Global gesehen dürfte das unter 1 Gesagte auch für körperliche Abweichungen von der Norm gelten (Behinderungen, besondere Körpergröße ("zu" groß/"zu" klein), Sprachfehler etc.). Äußerlich erkennbare Außenseiter haben es wohl zu allen Zeiten und auf der ganzen Welt nicht leicht gehabt ? obwohl die Bewertung dieser Abweichung durchaus kulturell verschieden sein kann. So galten Epileptiker beispielsweise bei den Griechen und Römern als "von den Göttern berührt", weil es schien, als würden sie während ihrer Anfälle von einer fremden Macht kontrolliert. Das meistzitierte Beispiel hierfür dürfte Alexander der Große sein.

4. Auch für soziale Abweichungen von der Norm gilt das unter 1 Gesagte. Dazu zählen a) religiöse (z.B. Sikhs, Juden) und b) ethnische Minderheiten (z.B. Kurden) sowie c) Sprecher von Minderheitensprachen, z.B. Iren, Sorben, Bretonen, Basken oder Waliser.

5. Natürlich überschneiden sich in der Realität die Gruppen 1 (Äußeres) und die ohnehin nicht trennscharfen Gruppen 4a) bis c) (Religion, Ethnie, Sprache) in vielen Fällen. Oft nehmen die herrschenden Mehrheiten zusätzliche Falschzuschreibungen vor und halsen Minderheiten weitere Charakteristika auf, bzw. ordnen sie unzulässigerweise zusätzlich weiteren (Minderheiten-)Gruppen zu. So haben sich die Nazis ja verkrampft bemüht, der religiösen Minderheit der Juden auch hanebüchene ethnische und sogar biologische Merkmale überzustülpen. Weil das nicht sauber klappte, ließ sich Goebbels schließlich auch zu dem hirnlos-zynischen Satz "Wer hier Jude ist, bestimme immer noch ich!" hinreißen. Dabei wird oft übersehen, daß man zum Judentum auch konvertieren kann. Da kann niemand mehr (im Sinne von Goebbels) irgend etwas dafür oder dagegen "bestimmen".

Umgekehrt gibt es aber Juden, die sich als "nicht religiös" bezeichnen. Die Definition des Judentums allein durch die Religion würde die Äußerung eines Juden, er sei nicht religiös, gänzlich sinnlos machen. Der Duden definiert "Ethnie" als "Menschengruppe (insbesondere Stamm oder Volk) mit einheitlicher Kultur." Unstrittig ist, daß Sprache und Religion als unabdingbare Bestandteile einer Kultur anzusehen sind. Das Judentum läßt sich nun, ganz der Duden-Definition entsprechend, völlig unproblematisch als "Ethnie" betrachten, nämlich als Träger einer sozial-historischen Tradition mit spezifischen kulturellen Äußerungsformen, in die man durch Familienhintergrund hineinwachsen kann. Religionszugehörigkeit, bzw. ?Ausübung wäre damit kein notwendiges (wohl aber ein hinreichendes) Kriterium. Ein nicht-religiöser Jude wäre dadurch, daß er spezifische jüdische (nicht im engeren Sinne religiöse) Traditionen pflegt, ebenfalls Teil der jüdischen Ethnie. Dies alles macht die Situation unübersichtlich, was leider oft zu unzulässigen Vereinfachungen führt ? sowohl aus Unkenntnis, als auch aus böser Absicht.

6. Durch Ihr Anderssein fallen alle diese Individuen im Kontext der "Gleichen" auf. Das ist so weit nicht schlimm. Das kann man benennen, darauf kann man offen reagieren - darüber kann man sogar Witze (auch unter die Gürtellinie) machen. Hätte ich einen guten langjährigen Freund mit schwarzer Hautfarbe, könnten er und ich uns im Spaß durchaus als "Milchbrötchen" bzw. "Dachpappe" beschimpfen - so ähnlich wie ich vielleicht einen kleinwüchsigen Freund als "Gnom" und er mich als "Brillenschlange" bezeichnen würde.

Die Aufmerksamkeit sollte dabei stets darauf liegen, ob jemand zuhört, der die Intimität und den Hintergrund von uns beiden nicht kennt oder die Äußerung anderweitig nicht richtig einordnen kann. Denn das würde die Sache schwierig, mißverständlich, womöglich sogar gefährlich machen (wenn mein Patenkind zuhört, wie ich meinen Freund "Dachpappe" nenne und sie im Kindergarten dann ein schwarzes Mädchen ebenso bezeichnet, könnte ich die Aufregung der Eltern verstehen). Im Fall von "Milchbrötchen/Dachpappe" kommt eben hinzu, daß diese Beleidigungen mit dem echten Rassismus spielen, ihn vielleicht sogar parodieren - aber rein äußerlich nicht von ihm zu unterscheiden sind. Hier hilft die semantische Betrachtungsweise (in etwa: Frage nach der Bedeutung sprachlicher Formen) nicht weiter, und die Pragmatik (in etwa: Miteinbeziehung des sprachlichen Kontextes und Frage nach der Rolle und Intention der Beteiligten) muß mit ins Spiel.

Mit echtem Rassismus sollten diese verbalen Spielereien jedoch nicht verwechselt werden. Auch wenn dies einigen der unter 2 genannten übereifrigen Rassistenkritikern immer wieder passiert.

7. Der echte Rassismus fängt da an, wo an den Minderheiten-Status unzulässige Verallgemeinerungen, ob gut oder schlecht gemeint, geknüpft werden: "Zigeuner klauen immer", "Irisch-Sprecher sind dümmer" oder "Alle Schwarze habe gute Laune" (auch letzteres ist ein Fall von latentem Rassismus, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen. Wunderbar auf den Punkt bringt dies der leider oft falsch verstandene kanadische Film "How to make love to a negro without getting tired" von Jacques W. Benoît).

8. Der nächste Schritt wäre, daß die Minderheiten wegen ihres Minderheiten-Status als Zielschiebe verbaler Angriffe herhalten müssen, im harmlosen Fall "nur" für ernstgemeinten Spott, im gravierenden für Sündenbock-Zwecke. Zwischen diesen beiden Polen gibt es eine große Bandbreite verbaler Aggressionen - die der sprachlichen Form nach nicht aggressiv zu sein brauchen (wie etwa die platte Beleidigung). Ariosophische Texte vom Anfang letzten Jahrhunderts zeigen deutlich, wie man im Gewand der (pseudo-)wissenschaftlichen Textsorte Rassismus in Reinkultur betreiben kann, ohne sich die Hände (respektive den Mund) mit Kraftausdrücken schmutzig zu machen. Das hätten viele dieser Schreiberlinge mit Sicherheit gerne getan, waren sich dazu aber zu fein; ähnlich wie Ernst Jünger, der die Nazis wohl deshalb nicht mochte, weil sie ihm nicht "edel" genug waren.

9. Der letzte logische Schritt in dieser Kette sind alle Konsequenzen, die über das Verbale hinausgehen: Ausgrenzung (auch ganz konkret im Sinne von Gettoisierung), Verfolgung, Massenmord. Ich denke, hier reicht die Allgemeinbildung jedes Einzelnen aus, so daß ich mir weitere Ausführungen sparen kann.

Natürlich ist mein Hund kein Rassist. Für das Tierchen sind schwarzhäutige Menschen einfach fremd - so wie vielleicht auch für manches Kind. Ich erinnere mich noch, wie ich als kleiner Junge in Tränen ausbrach, als sich mein Vater den Bart abrasiert hatte. Der Mann, der da aus dem Badezimmer kam, war nicht mein Vater; er sah ihm lediglich entfernt ähnlich. Das Fremde machte mir einfach Angst.

Die Frage ist, wie man in dem Moment reagiert, in dem man die oben beschriebene Fremdheit wahrnimmt. Mein Hund reagiert irritiert: Sally bellt und weicht aus. Vielleicht sieht auch bei manchen, selbst erwachsenen Menschen die intuitive Reaktion ähnlich aus. Vielleicht gibt es auch Hunde, die in einem solchen Fall sogar ohne entsprechendes Training zubeißen. Selbst dann wären sie allerdings keine Rassisten, denn die Kategorie "Rassist" läßt sich wohl sinnvoll nur auf Menschen und deren Handeln anwenden. Auf jeden Fall gibt es leider Menschen, die in einem solchen Fall - nicht nur verbal - aggressiv handeln. Dies ist nach wie vor ein beklagenswerter Mißstand.

Wahrscheinlich scheidet sich alles an der Frage, ob das "Andere" oder "Fremde" als mögliche Bedrohung der eigenen Welt(sicht) wahrgenommen wird. Der Mann ohne Bart war nicht mehr mein Vater. Der Türke nimmt mir die Arbeit und Frauen weg, außerdem zerstört er mit Minaretten und Döner-Buden die deutsche Kultur. Der Minderheitensprecher ist nicht versteh- und damit nicht kontrollierbar; er plant mit Sicherheit den Sturz des Systems.

Karl Valentin hat auf den Satz "Es wurde doch alles schon einmal gesagt" sinngemäß geantwortet: "Ja - aber nicht von Allen!". Da ich dem begeistert zustimme, scheue ich mich nicht, drei sich eigentlich aufdrängende Alternativ-Reaktionen auf den Umgang mit Fremdheit nochmals zu benennen: Neugier, Offenheit und Aufeinander-Zugehen. Als Belohnung würde dafür die Erweiterung des eigenen Horizonts winken. So erfahre ich gerne von einem Schwarzen etwas darüber, warum er, der Kataloge austrägt, solche Angst vor Hunden hat und von einem Sikh, was er unter "religiöser Freiheit" versteht. Und Irisch, verdammt noch eins, will ich sowieso noch lernen.

Zur Forendiskussion über den Arun-Verlag

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