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Kuehne Spicer ORD Kap 52
28.04.2017, 09:55

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Der Odinic Rite Deutschland - Neuheidentum im Spannungsfeld neurechter Religiosität

von Berna Kühne-Spicer
- Alle Rechte bei der Autorin -

5. Die Mutterorganisation: Der britische Odinic Rite

5.2 Der Vorsitzende des Odinic Rite über Rasse und Religion - Eine Lesereise

Auf der Internetseite des Odinic Rite und auf themenverwandten Seiten wie z.B. der Odinist Library finden sich diverse Artikel, von deren Inhalt sich der Odinic Rite als Organisation zwar halbherzig distanziert ("do not necessarily represent the views of the OR as a whole" - stellen nicht unbedingt die Sichtweise des OR selbst dar), denen er aber nichtsdestotrotz eine Plattform zur Veröffentlichung bietet bzw. für die er das Copyright beansprucht.

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Schauen wir uns nun einen solchen Artikel einmal etwas näher an. Verfasser ist Heimgest, seit 1989 Vorsitzender des Court of Gothar, auch als "Director of the OR" bezeichnet, also seit 16 Jahren ranghöchstes Mitglied des Odinic Rite und damit innerhalb des Odinic Rite wohl recht maßgeblich mit seinen Ansichten. Sein Text trägt den Titel "The Odinic Rite - A Radical Movement" (Der Odinic Rite - Eine radikale Bewegung). Diese Überschrift und die fest etablierte, hochrangige Position des Verfassers innerhalb des Odinic Rite legen nahe, dass es sich keineswegs um eine für den Odinic Rite als Organisation unmaßgebliche Privatmeinung handelt, sondern dass dieser Artikel sehr wohl als repräsentativ für die Organisation gelten darf, weil Heimgests Ansichten den Odinic Rite und dessen Ausrichtung zweifellos wesentlich mitprägen.

Der vermutlich Mitte der Neunziger Jahre (in Nr. 5 des 1991 erstmalig erschienenen "North Wind - Yearbook of the Odinic Rite") veröffentlichte Artikel beschäftigt sich mit der Frage, welche radikalen Ansichten von wahren Odinisten vertreten werden, und warum Odinisten damit in der heutigen Zeit wahre Ketzer, ja, Revolutionäre sind. Die folgenden Zitate geben den Leseprozess eines aufmerksamen Lesers wieder, der sich auf eine Reise durch irritierende Formulierungen begibt, um etwas über das Wesen des Odinismus zu erfahren:

(Quelle:
http://www.geocities.com/odinistlibrary/OLArticles/Articles/ORRadicalMovement.htm)
Alle Übersetzungen von Berna Kühne-Spicer

Der Text beginnt mit Ausführungen darüber, dass Heiden sich in ihrem Selbstverständnis vom Juden- und Christentum unterscheiden, da sie ihre Götter und sich selbst als nicht getrennt von der Natur betrachten. Doch diese Distanzierung geht Heimgest nicht weit genug. Er stellt fest, dass "wahre Odinisten" sich auch von anderen Heiden unterscheiden, indem sie sich gegen das Konzept der "Gleichheit" aller Menschen wehren.

"For despite these other pagans' genuine desire to preserve our environment, to protect our Mother Earth, their efforts (which can be very energetic) are hamstrung from the outset, because [...] they still share an ideal foisted upon us by the Judeo-Christian creed and their equally infected successors - the ruling establishments and media. This is the idea of "equality".
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Denn obschon diese anderen Heiden den echten Wunsch verspüren, unsere Umwelt zu erhalten, unsere Mutter Erde zu schützen, sind ihre (teils sehr engagierten) Anstrengungen von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil [...] sie eine Idee teilen, die uns von der jüdisch-christlichen Weltanschauung und ihren gleichermaßen infizierten Nachfolgern, den herrschenden Establishments und Medien, aufgedrängt wurde. Es ist die Idee der "Gleichheit".

Der Verfasser dieser Zeilen beurteilt die Erfolgsaussichten der umweltschützerischen Aktivitäten "anderer Heiden" als allgemein negativ, was ihm natürlich freisteht. Allerdings führt er eine bemerkenswerte Begründung an: Die Kritisierten würden eine Idee der "Gleichheit" vertreten, die ihnen von der "jüdisch-christlichen Weltanschauung" aufgedrängt worden sei. Es wird nicht klar, worauf sich diese offenbar unerwünschte "Gleichheit" bezieht. Das Wort "infiziert" legt jedoch nahe, der Verfasser betrachte diese "Gleichheits"-Idee als eine Art Krankheit. Es könnte sich hier aber, so sagt man sich, auch um einen schlichten verbalen Missgriff handeln.

Western Governments and media, whether they call themselves conservatives, socialists or liberals, relentlessly push this idea of "equality". Whether they themselves really believe it is debateable, but it is a useful sponge to soak up the votes of the masses. [...] It is enough to realise the idea that all humanity is somehow "the same" is at the heart of this thinking.
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Die westlichen Regierungen und Medien, ob sie sich nun konservativ, sozialistisch oder liberal nennen, sind rücksichtslose Verfechter dieser Idee von "Gleichheit". Ob sie selbst daran glauben, sei dahin gestellt, aber es ist ein nützliches Instrument, um auf Stimmenfang zu gehen. [...] Es reicht schon zu erkennen, dass die Vorstellung, alle Menschen seien irgendwie "die gleichen", der Kern dieser Denkweise ist.

Es wird jetzt etwas deutlicher, worum es geht. Bei der missliebigen Idee handelt es sich möglicherweise um die Vorstellung, dass es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Aber welche Unterschiede möchte der Verfasser denn so dringlich beachtet wissen? Geschlechtliche Unterschiede? Oder soziale? Oder intellektuelle? Er wirft pauschal allen westlichen Regierungen vor, die besagte "Gleichheit" der Menschen "rücksichtslos" zu verteidigen und durchsetzen, um auf diese Weise mehr Wählerstimmen zu bekommen. Worauf oder auf wen sollten sie seiner Meinung nach besser Rücksicht nehmen? Wer oder was wird geschädigt, wenn alle Menschen als "gleich" angesehen werden?

Both the "left wing" and the conservative camps wish to dissolve all diversity and barriers within humanity, thereby creating a mongrel folk - a human soup devoid of all unique features, destroying the unique cultures, gifts, traditions etc. of each race group and heralding a Khaki mass who are cut off from the unique and diverse roots which created and maintained differing folk groups."
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Sowohl die "Linken" als auch die konservativen Lager wollen alle Vielfalt und die Grenzen zwischen Menschen auflösen und so ein Bastardvolk schaffen - eine menschliche Einheitssuppe, bei der es keine unverwechselbaren Merkmale mehr gibt, sie wollen die unverwechselbaren Kulturen, Begabungen, Traditionen etc. zerstören und eine khakifarbene Menschenmasse einführen, deren Mitglieder keine Verbindung mehr zu ihren unverwechselbaren und vielfältigen Wurzeln haben, aus welchen einst voneinander verschiedene Volksgruppen hervorgingen und Bestand hatten.

Das sind nun Worte, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Es zeichnet sich unmissverständlich ab, worauf der Verfasser hinaus will. Alle Menschen als "gleich" anzusehen, bewirkt seiner Ansicht nach totalen Identitätsverlust für die verschiedenen Kulturen, Traditionen, Volksgruppen etc. Seine polemische Anklage, Politiker aller Lager handelten in der bewussten Absicht, eine "menschliche Einheitssuppe" zu schaffen, ein "Bastardvolk" gar, erscheint zwar reichlich absurd und auch leicht verschwörungstheoretisch, knüpft aber an heutzutage gängige weltanschauliche Motive an, welche die zerstörerische Wirkung der modernen "Globalisierung" auch an der fortschreitenden kulturellen Angleichung durch die weltweite Verbreitung westlicher Werte und Lebensstile festmachen.
Doch Heimgests Version ist rassistisch gefärbt und greift in seiner Bilderwelt auf ethnisch zugeordnete Körpermerkmale zurück: Sein Bild der "menschlichen Einheitssuppe", der einheitlich "khaki-farbenen Menschenmasse", scheint für ihn eine Horrorvision darzustellen. Damit spielt er wohl auf die von ihm vermutete Hautfarbe eines solchen "Einheitsmenschen" an. Dass seine Sorge über die Bewahrung von Kultur und Tradition hinausreicht, zeigt sich auch an anderen biologistischen Formulierungen, etwa wenn er ökologisch orientierte Heiden angreift, die sich nur um das Aussterben von Tierarten sorgen:

"[...] those who call themselves "pagan" [...] While they will fight to defend a species of any other creature from extinction, protect its natural breeding grounds etc., when it comes to the survival of their own folk group they care little.
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
[...] diese Leute, die sich "Heiden" nennen [...] Sie kämpfen zwar darum, eine Spezies irgendwelcher anderen Lebewesen vorm Aussterben zu bewahren, seine natürlichen Brutplätze etc. zu schützen, aber wenn es um das Überleben ihrer eigenen Volksgruppe geht, interessiert sie das nur wenig.

Hier werden offensichtlich Volksgruppen - also menschliche Gemeinschaften, die in erster Linie über eine gemeinsame Kultur definiert werden - mit biologischen Spezies der Tierwelt verglichen - in gewissem Sinne sogar gleichgesetzt, da hier von Heiden implizit gefordert wird, sich mit dem gleichen Elan um den Erhalt der "eigenen Volksgruppe" zu kümmern wie um vom Aussterben bedrohte Tierarten. Menschen, die sich Heiden nennen und Heimgests Ansicht in dieser Frage nicht teilen, betrachtet er nicht als Heiden. Zumindest deuten seine Wortwahl und die wiederholt verwendeten Anführungszeichen das an. Es geht Heimgest aber durchaus nicht nur um Volksgruppen, sondern ganz konkret um "Rassenschutz":

[...]
"We are as concerned to preserve the diversity of race groups as we are to preserve the diversity of bird life and all life. [...] Without these diversities, creation takes a very different turn - one in which the Earth as we know it and all creatures (humans included) will be utterly changed and most probably eradicated." ©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Wir kümmern uns genauso um die Erhaltung der Rassenvielfalt wie um die Vielfalt der Vogelwelt und des Lebens überhaupt. [...] Ohne diese Vielfalt würde die Schöpfung eine völlig andere Entwicklung nehmen - eine, bei der die Erde, wie wir sie kennen, und alle Lebewesen (einschließlich der Menschen) völlig verändert und höchstwahrscheinlich ausgelöscht werden.

Heimgest sorgt sich also um den Fortbestand der "Rassengruppen". Seine diesbezüglichen Sorgen sind sogar so groß, dass er ein dramatisches Weltuntergangsszenario malt für den Fall des Scheiterns der "Erhaltung der Rassenvielfalt". Wie genau allerdings die Vermischung der verschiedenen Menschentypen zum Aussterben der Menschen führen und schließlich die Auslöschung der Erde bewirken soll, dazu macht Heimgest keine genaueren Angaben.

"Too often this wish to preserve the uniqueness of race groups is called "Race Hate".
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Nur all zu oft wird dieser Wunsch, die Unverwechselbarkeit der Rassengruppen zu erhalten, als "Rassenhass" bezeichnet.

Der Verfasser wehrt sich also gegen den Vorwurf, Rassenhass zu befürworten. Vielleicht kann man ihm bzw. den "wahren Odinisten" tatsächlich keinen Rassenhass vorwerfen, bestimmt aber Rassismus (siehe Kapitel 1.2).

"In this, the Odinic Rite and comrade groups like us (such as the Asatru Alliance of the U.S.) are truly radical - the great "heretics" who will not succumb to the establishment order.
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
In dieser Hinsicht sind der Odinic Rite und uns kameradschafltich zugewandte Gruppen (wie z.B. die US-amerikanische Asatru Alliance) wahrhaft radikal - wir sind die großen "Ketzer", die sich dem Befehl des Establishment widersetzen.

Hier nimmt Heimgest den Schwenk zur Märtyrerpose. Der Begriff "Ketzer" ist in der westlichen Welt eng verbunden mit Ausgrenzung, konsequenter Verfolgung bis hin zu Pogrom und Ausrottung (wie z.B. im Falle der Katharer, auf welche der Begriff "Ketzer" auch ethymologisch zurückgeführt wird) sowie mit dem Bild brennender Scheiterhaufen. Ein Ketzer zu sein, hat schon immer Mut erfordert. Als Ketzer ist man etwas Besonderes und hebt sich von "der Masse" ab. Heroisch für seine Überzeugungen einzutreten und dafür Anfeindungen in Kauf nehmen - das kann man besonders gut für eine Sache, die größer und wichtiger ist als die eigene Person. Eine solche große und wichtige Sache gibt einem das Gefühl, selbst wichtig zu sein - wie oft wurde gerade dieses menschliche Bedürfnis instrumentalisiert!

Uncomfortable truths are not popular today and those who live by them (as best they can), and who espouse them, are revolutionary." ©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Unbequeme Wahrheiten sind heutzutage nicht beliebt, und die nach solchen Wahrheiten leben (so gut es eben geht) und für sie eintreten, sind Revolutionäre.

Nach dem Märtyrerbild wird nun noch der idealisierte Vergleich mit dem Revolutionär bemüht, damit Odinisten sich möglichst wenig von den voraussichtlich überwiegend kritischen Reaktionen auf die vom Odinic Rite vertretenen Ziele verunsichern lassen.

"This [...] may seem "hard", and it is doubtful it will "earn you gold". [...] It will lead to attacks, verbally and sometimes physically. It will mean maybe you find you have almost nothing in common with most members of society. Perhaps that is the hardest part of all, for mankind is a social animal and the desire to fit in or be "accepted" is great. How much easier to "Go with the flow"."
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Das [...] mag "hart" erscheinen, und es ist zu bezweifeln, dass es euch Vorteile einbringt. [...] Es wird Angriffe geben, verbal und manchmal auch körperlich. Ihr werdet vielleicht feststellen, dass ihr mit den meisten Mitgliedern der Gesellschaft fast gar nichts gemein habt. Vielleicht ist dies das Schwerste von allem, denn der Mensch ist ein Gemeinschaftstier, und der Wunsch, dazuzugehören oder "anerkannt" zu sein, ist groß. Es ist so viel einfacher, "mit dem Strom zu schwimmen".

In Anbetracht der gegenwärtig allgemein eher geringen gesellschaftlichen Akzeptanz für rassistische Theorien stärkt der Vorsitzende des Odinic Rite den Odinisten den Rücken, indem er die zu erwartende Missbilligung seitens der humanistischen Kräfte der westlichen Gesellschaft als Herausforderung darstellt und es den Odinisten nahe legt, aus einer Gewissheit der eigenen weltanschaulichen Überlegenheit heraus alle Kritik standhaft zu ignorieren.

Die seit den Zeiten der Aufklärung hart erkämpften humanistischen Grundwerte, welche das moralische Ideal der westlichen Zivilisation bilden, werden von Heimgest zur Gefahr erklärt. Den Verfechtern dieser gesellschaftlichen Grundwerte unterstellt er die Absicht, einen besonders leicht manipulierbaren "Einheitsmenschen" zu schaffen, der ihren böswilligen Machenschaften dann hilflos ausgeliefert ist, weil er nicht mehr eindeutig einer bestimmten "Rasse" zuzuordnen ist und deswegen keine individuelle Identität mehr besitzt:

"After all, a uniform mass can be catered for by mass production thus cutting production costs and opening a bigger consumer market. It will also be easier to control [...] In such a society, the population is far easier to control: give them booze, porn and other material trappings and they will never seek to rise beyond that."
©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Schließlich kann eine so einheitliche Masse auch per Massenproduktion versorgt werden, was die Produktionskosten niedrig halten und die Absatzmärkte vergrößern wird. Sie wird auch leichter zu kontrollieren sein [...] In so einer Gesellschaft ist die Bevölkerung sehr viel leichter zu kontrollieren: Man braucht sie nur mit Alkohol, Pornographie und anderen Konsumfallen zu versorgen und sie werden sich um nichts anderes Gedanken machen.

Die zu erwartende Kritik an den von Odinisten vertretenen rassistischen Ideen wird zur Bestätigung derselben umgedeutet und eine reflektierte Auseinandersetzung mit ihr von vornherein umgangen.

In diversity is opposition to the vile ugly mores foisted upon us. In diversity is life. We say Yes to Life! and in these times are therefore the true radicals." ©2003 The Odinic Rite
Übersetzung:
Vielfalt ist der Gegensatz zu dem schändlichen, hässlichen Sittenkodex, den man uns eingeredet hat. Vielfalt bedeutet Leben. Wir sagen Ja zum Leben! Und sind damit heutzutage wahrlich radikal.

Der hier untersuchte Text offenbart gerade in seiner Rhetorik gegen die Gleichheit der Menschen einen anti-liberalen Tonfall, wie man ihn von den Autoren rund um die 1969 von Alain de Benoist gegründete rechtsradikale "Groupement de Recherche et d'Etudes pour la Civilisation Européenne (GRECE)" kennt. Deren deutsche Abteilung trägt den Namen "Thule-Seminar" und wird geführt von Pierre Krebs. Diese Altmeister der Neuen Rechten, die auch bekennende Heiden sind, beschäftigen sich vornehmlich mit der Frage, wie man den als gefährlich betrachteten Einfluss der humanistischen Gleichheitsideologie verringern kann, indem man sich jenseits und vor jeder Politik für entsprechende kulturelle Inhalte einsetzt - beispielsweise für ein Differenzbewusstsein des einheimischen, "artgemäßen" Heidentums. Es dürfte sehr wahrscheinlich sein, dass der Odinic Rite ideologische Motive der Nouvelle Droite /Neuen Rechten übernommen hat. Ein Textvergleich z.B. mit zwei Passagen von Pierre Krebs:

"Denn durch seine Vermischung der Rassen, der Kulturen und Weltanschauungen beseitigt der Egalitarismus nicht nur die grundlegendsten Begriffe von Achtung und Toleranz, sondern darüber hinaus die Freiheit und das Grundrecht auf Verschiedenheit [...] Im Namen der Toleranz macht sich die Lehre von der völligen Gleichheit der Menschen der denkbar größten Intoleranz schuldig, die darin besteht, die Verschiedenheit, Originalität und Besonderheit überall da systematisch zu zerstören, wo sie sich der Mühle der Gleichmacherei nicht fügen."

(Quelle: Pierre Krebs: "Die europäische Wiedergeburt", Tübingen 1982, S. 25f
Zitiert nach: http://www.extremismus.com/texte/neuerechte.htm)

"Wir lehnen die egalitäre Welt ab und widerlegen sie. Wir setzen ihr die pluralistische Menschheit entgegen, die in den verschiedenen Teilen der Welt eine andere Hautfarbe besitzt. Ihre jeweils geistige erbmassebedingte Erscheinungsform reflektiert die unterschiedliche Empfindsamkeit einer Seele, die andere psychische Saiten ertönen läßt; reflektiert die Eigentümlichkeit eines Geistes, der um einen anderen Austausch, um eine andere Auslegung bemüht ist; reflektiert ein Wesen schließlich, das andere Welt- und Lebensvorstellungen hat. [...]
Unsere Verwurzelung ist territorial, menschlich und kulturell. Territorial im ethnologischen Sinne, nämlich daß der territoriale Instinkt des Individuums in der Personalisierung eines Raumes besteht, innerhalb dessen es sich absichert, sich organisiert und sich eingewöhnt. Diese Raumpersonalisierung ermöglicht auf einer zweiten Stufe die Normalisierung der gesellschaftlichen Beziehungen. Menschlich im anthropologischen Sinne, nämlich, daß ein Individuum sich dann einer bestimmten Gruppe verpflichtet fühlt, wenn es sich mit Menschen, in denen es sich wiedererkennt, identifizieren kann. Kulturell im ethnologischen Sinne, nämlich daß ein Individuum sich durch die Sprache, die Bräuche und die gesellschaftlichen Verhaltensweisen der Menschen, unter denen es sich entfaltet, identifiziert."

(Quelle: Krebs, P.: Das unvergängliche Erbe, Tübingen 1981; s. 23 f.
Zitiert nach: http://www.extremismus.com/texte/neuerechte.htm)

Der Journalist und Sozialwissenschaftler Anton Megerle fasst die von Alain de Benoist und Pierre Krebs vertretenen Thesen wie folgt zusammen:

"Benoist und sein Adlatus Krebs haben das Gedankengebäude der "Konservativen Revolution" weiter ausgebaut und erneuert. Ein zentraler Punkt ist dabei der Kampf gegen die Menschenrechte, da deren universalistischer Anspruch das politische Selbstbestimmungsrecht und die Autonomie der Kulturen bedrohe. Als Manifeste universalistischer Weltdeutung und utopisch-egalitärer Weltverbesserung müssen Menschenrechte als politische Gefahr bekämpft werden. Die Idee einer einheitlichen Menschheit als moralische Kategorie wird verworfen und als judeo-christliches Machwerk abgetan. Den Menschenrechten setzt die Neue Rechte das Recht der Völker entgegen.
[...]
Zentrale These der Nominalisten ist, daß es die Menschheit nicht gibt und infolge dessen die Unterschiedlichkeit eine Grundtatsache der Welt sei.
[...]
In der Egalität sieht die Neue Rechte die Wurzel allen Übels, die es zu bekämpfen gilt. Der Mensch solle sich stattdessen in der Rückkehr zu seinen Wurzeln und zu seinem Volk wieder selbst verwirklichen. Diese Rückbesinnung kann nur auf den Prinzipien einer hierarchisch geordneten Gesellschaft aufgebaut werden, wie sie schon die Indoeuropäer verkörperten. Deshalb strebt das "Thule-Seminar" folgerichtig die Wiedergeburt der indoeuropäischen Kultur, jener Kultur, die in unserem genetischen Erbe liegt, an. [...]
Elementares Merkmal des neurechten Ideologiekonzeptes ist der Ethnopluralismus. Wörtlich übersetzt heißt Ethnopluralismus Vielgestaltigkeit der Völker. Praktisch ist damit Apartheid gemeint: Die Völker sollen unter sich bleiben ("Deutschland den Deutschen - Die Türkei den Türken"). Völker werden vom "Thule-Seminar" unmittelbar gleichgesetzt mit Rassen. Der Rassismus des Ethnopluralismus liegt darin begründet, daß er eine Vermischung von Menschen, die unterschiedlichen Kulturen angehören, nicht zulassen will. Dem Postulat "Alle Menschen sind gleich" setzt die Neue Rechte das "Recht auf Ungleichheit", d.h. einen positiv gewendeten Rassismus, entgegen.

(Quelle: http://www.fh-niederrhein.de/fb06/buecher/band_11/recht_2.html)

Heimgests Text "The Odinic Rite - A Radical Movement" wirkt wie eine neogermanische Version der von den neurechten Gleichheitsgegnern formulierten Thesen. Er hat die eher intellektuell daherkommende Theorie allerdings für die Anhänger ("adherents") des Odinic Rite in einfache, leicht verständliche Worte gefasst. Dass eine solche Positionierung auch kritischen Medien in Großbritannien aufgefallen ist, ist keine Überraschung. Das bekannte britische Aufklärungsmagazin über Faschismus und Rassismus "Searchlight" berichtete denn auch in den 90er Jahren kritisch über britische Odinisten. Doch für Heimgest ist klar, warum das nicht gelten kann. In einem Interview mit dem neogermanischen, US-amerikanischen Magazin "Vor Tru", das eher treuherzig mit rechtsradikalen Strömungen umgeht, sagt er, warum:

Vor Tru: "Some well-known Odinist in England have received some unfavourable press from the Radical Left. How much effect has such attention had on Odinism in England in general, and the OR specifically?"

Heimgest: "The main effect is it has made a lot of people who are perhaps interested in paganism in general, or drawn that way, nervous. It makes these people think: "Ah, these folks are demons." It has not been useful in that way."

Vor Tru: "Who have been the primary people causing these problems?"

Heimgest: "It would be magazines like searchlight, a self-styled, anti-fascist watch dog committee. They are financed by the secret service. Also our tabloids, from time to time, because it is so lurid for them or sensational. They use it to entertain the masses."

Übersetzung:
Vor Tru: "Einige bekannte Odinisten in England bekamen schlechte Presse seitens der Linksradikalen. Wie sehr wirkt sich solcher Art Aufmerksamkeit auf den Odinismus in England im Allgemeinen und auf den Odinic Rite im Besonderen aus?"

Heimgest: "Der Haupteffekt besteht darin, dass viele Leute, die vielleicht allgemein am Heidentum interessiert waren oder sich in diese Richtung hingezogen fühlten, nervös werden. Diese Leute denken dann: "Aha, diese Typen sind Dämonen." Insofern war das also nicht sehr nützlich."

Vor Tru: "Was für Leute sind es in erster Linie, die solche Probleme machen?"

Heimgest: "Zeitschriften wie Searchlight, ein selbsternanntes antifaschistisches Aufpasser-Komitee. Die werden vom Geheimdienst finanziert. Manchmal auch unsere Regenbogenpresse, weil es ihnen so unheimlich erscheint oder auch sensationsträchtig. Damit unterhalten sie dann eben die Massen."

(Quelle:
http://img.photobucket.com/albums/v609/Fjorn/Heimgest%20Interview/HeimgestVorTruInt4.jpg)


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